Einführung in den Wohnprojekt-Atlas 2008


Gemeinschaftsorientiertes Wohnen beginnt bei einem Wohnprojekt schon vor dem Einzug. Eine Gruppe von Menschen findet sich zusammen, weil sie nach gemeinsamen Wert- und Zielvorstellungen wohnen möchten.
Sie erarbeiten ein Konzept, wählen die passende Rechtsform und Finanzierung und planen den (Um-)Bau. Zusammen mit dem realen Haus entsteht – gewachsen in vielen Treffen – das soziale Haus, die Gemeinschaft.

 

 

Nachfrage nimmt zu
Wie die WohnWerkstatt des Vereins Urbanes Wohnen e.V. und der bundesweite Verband FGW – Forum gemeinschaftliches
Wohnen e.V. bei ihrer Beratungsarbeit feststellen, nimmt die Nachfrage nach gemeinschaftsorientiertem Wohnen rasant zu.

Besonders junge Familien und ältere Menschen, aber auch Singles und kinderlose Paare wollen gemeinsam und sich selbst eine Wohnumgebung schaffen, die Anregung, Sicherheit und Selbstständigkeit ermöglicht.

Der Wohnprojekt-Atlas soll in Bayern
• einzelnen Interessierten leichteren Kontakt zu Wohnprojekten schaffen,
• Wohnprojekte untereinander zum Erfahrungsaustausch vernetzen,
• die Idee des gemeinschaftsorientierten Wohnens stärker in die               Öffentlichkeit tragen und
• neu entstehenden Wohnprojekten die Realisierung erleichtern.


Die Grundlage bildet die Internetplattform
des Wohnprojekt-Atlas.

 

Zur Neuauflage
Im Jahr 2005 hat Urbanes Wohnen e.V. München im Auftrag des Bayerischen Sozialministeriums die erste Erhebung von Wohnprojekten in einem Bundesland durchgeführt und 76 Wohnprojekte dokumentiert. Die Publikation war nach anderthalb Jahren bereits vergriffen. Das Redaktionsteam freut sich über den großen Anklang, den sie gefunden hat und über diese Neuauflage als Antwort des Sozialministeriums!
Der Wohnprojekt-Atlas stellt eine wesentliche Unterstützung bei der Beratung von Interessierten dar.

Auch lässt der Atlas klar erkennen: Gemeinschaftsorientiertes und selbstorganisiertes Wohnen ist heute für alle Menschen machbar, die es wollen – unabhängig vom Einkommen oder Vermögen.

Die im Jahr 2005 eingerichtete Internetseite www.wohnprojektatlas-bayern. de, die von den Projektträgern laufend aktualisiert und erweitert wird, steht allen Interessenten neuer Wohnformen zur Verfügung.

So wurde die Internetplattform des Wohnprojekt- Atlas zum Vorbild für das bundesweite Wohnprojekte-Portal www.wohnprojekte- portal.de, das seit Oktober 2007 angeboten wird.
Für den Wohnprojekt-Atlas 2008 hat das Redaktionsteam zusätzlich zu den eingestellten Informationen auf www.wohnprojektatlas-bayern.de die Fachöffentlichkeit befragt. Durch diese erweiterte Bestandsaufnahme konnte ein Zuwachs von rund 50 % an Wohnprojekten festgestellt werden.



Keimzellen bürgerschaftlichen
Engagements

In Wohnprojekten schaffen sich Bürgerinnen und Bürger einen von Kooperation
und Eigenverantwortung geprägten Lebenszusammenhang, der neben dem persönlichen Nutzen auch sozialpolitische Bedeutung hat.

Dabei können Gemeinschaften entstehen, die Demokratie täglich praktizieren, sozial stabilisierende Netze herstellen und ein ökologisches Bewusstsein oft auch mit innovativen ökonomischen Ansätzen verbinden.
Eine solche Eigenständigkeit und Kooperationsbereitschaft kann über den eigenen Wohnbereich hinausweisen und damit das bürgerschaftliche Engagement für das größere Gemeinwesen der jeweiligen Kommune fördern.

So bringt dieser Atlas die Initiativgruppen für gemeinschaftsorientiertes Wohnen in einen Zusammenhang mit anderen Initiativen, vor allem mit Nachbarschaftsprojekten, Baugemeinschaften, Initiativen des bürgerschaftlichen Engagements und der Selbsthilfe in Wirtschaft, Umweltschutz und Kultur.
Auch relevante Beratungsstellen, Verbände, Träger, Finanzierungs- und Bildungseinrichtungen werden aufgeführt.

Im Atlas wird erkennbar: Je größer ein Wohnprojekt ist, desto vielfältiger seine inhaltlichen Schwerpunkte mit wechselseitigen Synergieeffekten, desto verschiedenartiger der Fokus. Ein breites Angebot kann auch durch das Zusammenspiel kleinerer Wohnprojekte erreicht werden, wenn diese gemeinsam quartiersbezogene Gemeinschaftseinrichtungen organisieren und finanzieren.


Kleine Projekte, mit bis zu zehn Bewohnern, werden für die Gründergeneration
und für den Augenblick maßgeschneidert, doch verändern sich die Lebenslagen und Wünsche im Laufe einer Generation. Nachhaltiges Bauen sollte die Entwicklung der nächsten 15- 20 Jahre ins Auge fassen, und kleine Projekte können oftmals Mühe haben, sich den Veränderungen anzupassen. Größere Projekte, ab ca. 20 Wohneinheiten, erlauben eher Antworten auf sich ändernde Lebensphasen und Bedürfnisse.
Der Trend zur Vielfalt in der Bewohnerschaft nimmt zu, sowohl im Hinblick auf die verschiedenen Generationen, als auch auf die Individualität oder Neigung der einzelnen Menschen, und neue Wohnprojekte sollten diese Entwicklung berücksichtigen.


Kommunale und staatliche Behörden können Wohnprojekte fördern, indem sie deren Planung und Realisierung kooperationsbereit begleiten. Dankenswerterweise zeigt sich hier immer wieder Offenheit für Innovationen, auch eine wachsende Bereitschaft, administrative Barrieren für bürgerschaftliches Engagement abzubauen und neu entstehende Initiativen zu unterstützen.

 

 

Lebendige Nachbarschaft
durch Partizipation
Bei der baulichen Förderung sind in der Regel architektonisch-räumliche Qualitäten, auch Barrierefreiheit und Energiebilanz oder das Einkommen (EOF) von Bedeutung. Lebendige Nachbarschaftsbeziehungen unter den einziehenden Bewohnerinnen und Bewohnern entstehen jedoch leichter und
rascher, wenn deren Beteiligung (Partizipation) noch in der Planungsphase der Projekte so frühzeitig wie möglich gefördert wird. Im bürgernahen und zukunftsorientierten Wohnungsbau sollte die Anwendung von Partizipation
für nachhaltige Projekte so selbstverständlich werden, wie es schon bald
der Energiepass sein wird, der einen „Partizipations-Pass“ als Pendant erhalten
könnte, aus dem die Gemeinschaftsorientierung einer Wohnanlage ersichtlich sein könnte.
Hochwertige und energieeffiziente Architektur allein kann ohne Motivation der einziehenden Menschen noch keine lebendige Nachbarschaft erzeugen.


Unser Wunsch und Dank

Der Wohnprojekt-Atlas möge zur weiteren Verbreitung und Vernetzung von bürgerschaftlichem Engagement im Lebensalltag beitragen! Wir freuen uns auch über Vorschläge und Wünsche durch die Leserinnen und Leser an die Adresse von wohnwerkstatt@ urbanes-wohnen.de
Bitte teilen Sie Ergänzungen oder Änderungswünsche an die Adresse von Urbanes Wohnen e.V. oder unter www.wohnprojektatlas-bayern.de mit.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei den vielen Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern, die uns Projekte genannt haben. Auch danken wir für die finanzielle und tatkräftige Förderung durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen und freuen uns, dass Bayern auch hier die Nase vorn hat.



Das Redaktions-Team



Dieses Projekt wurde
realisiert mit freundlicher
Unterstützung des


Bayerischen Staatsministeriums
für Arbeit und Sozialordnung,
Familie und Frauen